Berlin Marathon 2019

Marathon in 4 wochen 

Vorwort: Jeder halbwegs kluge Mensch weiß, dass man kein Marathon Training in vier Wochen absolvieren kann. Jeder halbwegs vernünftige Mensch meldet sich aber auch nicht erst vier Wochen vorher für einen Marathon an. Diese Story begleitet mich von der Anmeldung bis zum Zieleinlauf beim Berlin Marathon 2019 – was genau vier Wochen waren. Sie soll nicht als Vorbild für ein erfolgreiches Marathon Training dienen, sondern Spaß beim Lesen bereiten und euch motivieren neue sportliche Ziele zu definieren und anzugehen. 

Alles begann mit einem Longrun in london

Nachdem ich im Mai 2019 in London spontan (und ohne Bib) eine neue Halbmarathon PB gelaufen bin, wollte ich mehr. Ich wollte beim Copenhagen Marathon Mitte September eine offizielle PB (Personal Best) laufen. Gesagt, getan! Gemeinsam mit Coach Benny Schalanda ging es in die Vorbereitung. Dazu zählten neben vielen Intervalleinheiten auch Longruns. Ich glaube ich gehöre zu den wenigen Läufern, die Intervalle und Longruns tatsächlich lieben, weshalb mir das Training wirklich Spaß gemacht hat.

Für mich war dies einer der entscheidenen Faktoren, wieso diese Saison so erfolgreich gelaufen ist. Denn je weniger Druck man sich selbst macht und Spaß am harten Training hat, desto erfolgreicher ist man meiner Meinung nach auch.
Doch wie sah eine typische Trainings Woche in der Vorbereitung aus? 

  • Montag: Easy Run | CrossFit
  • Dienstag: Yoga | KRAFT Runners Training
  • Mittwoch: Intervalle (Wenn ich es mal nicht zum KRAFT Tuesday geschafft habe)
  • Donnerstag: Easy Run | Yoga
  • Freitag: Intervalle | CrossFit
  • Samstag: Easy Run | Yoga
  • Sonntag: BTC Longrun

Vor allem die Yoga Einheiten haben mir in dieser Saison unheimlich geholfen auf meinen Körper und seine Bedürfnisse zu hören. Noch nie habe ich mich so ausgeglichen im Training und Alltag gefühlt. Für mich muss eine Yoga Session allerdings keine 60 Minuten lang sein, manchmal reichen schon 10-15 Minuten um leichte Verspannungen zu lösen, die Muskulatur aktiv zu dehnen und ein besseres Körpergefühl zu bekommen.

Easy Runs konnte ich gut in der Mittagspause unterbringen, während die Longsruns am Sonntag mein absolutes Highlight waren. Hier kam auch das erste Mal die Idee auf, den Berlin Marathon zu laufen. Denn eigentlich hatte ich nach meinem ersten Marathon 2016, der mir  eine Herzmuskelentzündung einbrachte, dem Paris Marathon 2017 (bei 35°C Anfang April) und dem Athen Marathon 2017 (30 Kilometer bergauf, 10 bergab) entschieden, nie wieder die 42,195 Kilometer zu laufen. Bis dato war ich noch nie einen Marathon gelaufen, bei dem ich wirklich Spaß und Erfolg hatte.

Doch manchmal kommt alles anders… Knapp vier Wochen vor dem Marathon fragte mich Maren wieso ich eigentlich keinen Marathon laufe, wenn ich schon so gut im Training bin. Ich stellte mir diese Frage immer und immer wieder. Nur einen Tag später saß ich in einem Meeting, bei dem es um den Cheerpoint beim Berlin Marathon ging. Schon bei der Vorstellung an die Atmosphäre bekam ich Gänsehaut. Kurzerhand entschied ich mich mitzulaufen und bekam noch am selben Tag einen Platz. Jetzt war es offiziell –  ich würde meinen vierten Marathon laufen. In Berlin. In meiner Heimatstadt.

MEINE OFFENE RECHNUNG MIT KOPENHAGEN

Viel wichtiger als der eigentliche Marathon war mir allerdings der Halbmarathon in Kopenhagen, zwei Wochen vorher. Nicht nur das ich noch nie in einem Rennen unter 1:40 gelaufen bin, ich hatte auch noch eine offene Rechnung mit der dänischen Hauptstadt.
Bei meinem letzten Halbmarathon Start 2017 wurde das Rennen wegen plötzlichem Hagel- und Blitzschlag abgebrochen. 

Wirklich gute Chancen meine PB zu unterbieten, habe ich mir an diesem Wochenende jedoch nicht ausgerechnet, denn ich lag mehrere Tage mit Magen-Darm flach und hatte bis zum Abflug einen flauen Magen. 
Doch die dänische Hauptstadt zählt zu meinen absoluten Lieblingsorten in Europa und da wir bereits Freitag Morgen angereist sind, hatte ich genug Zeit um mich an zwei sonnigen Tagen mit bestem Kaffee, richtig gutem Essen und einem Shake Out Run auf das Rennen vorzubereiten.

Am Sonntag wurde es dann Ernst, während alle anderen hofften, dass es nicht regnen würde, freute ich mich auf eine Abkühlung, denn mit Hitze und gutem Wetter kann mein Körper beim Laufen absolut nichts anfangen. Ich lief mit Jonas und Maren zusammen, was mich nicht nur unfassbar motivierte, ich unterbot am Ende meine persönliche Bestzeit um 8 Minuten. ACHT F** MINUTEN – ich hatte Tränen in den Augen, als wir im Ziel standen und Maren mich kurzerhand in den Arm nahm. 

Tapering is mein ding 

Die letzten 14 Tage bis zum Berlin Marathon war ich so motiviert wie vor keinem anderen Rennen bisher. Beruflich war ich jedoch so eingespannt, dass ich das erste Mal gezwungen war, meinem Körper die nötige Ruhe zu geben und Kraft zu sammeln.

Kraft, die ich im Rennen bitter nötig hatte, denn drei Tage vor dem Startschuss wurde mir erstmals bewusst, dass ich zwar viele Läufe, aber nur einen einzigen Longrun über 30 Kilometer absolviert hatte. Zum Glück hatte ich bei Kilometer 4, 10, 15, 21, 34 und Kilometer 37 Freunde und Familie an der Strecke, die mich anfeuern und mit Wasser versorgen wollten.

Massage, Muffensausen und Marathonfieber

Zwei Tage vor dem Marathon ging es für mich noch einmal zur Massage. Claudia, meine Physiotherapeutin, wusste genau wo und wie sie die letzten Verspannungen lösen musste. Ich war nicht nur mental, sondern auch körperlich bereit für den Marathon! 

Jetzt hieß es Essen und Beine hochlegen, zwei Dinge, die ich übrigens besonders gut kann! Zur optimalen Vorbereitung gab es Samstag vor dem Rennen meine cremige Cashew Pasta und Sonntag, wie vor jedem anderen Longrun auch, mein geliebtes Protein Porridge.  An dieser Stelle noch einmal ein großes Danke an Bulkpowders für euren Support in der Marathonvorbereitung. Ohne euer BCAA, Whey Protein und die leckerste Peanutbutter der Welt, hätte ich  sicher nur halb so viel Leistung bringen können. 

Obwohl ich nur 800m vom Start entfernt wohne, traf ich mich am Sonntag Morgen noch einmal mit den KRAFT Runners zum Gruppenfoto, gegenseitigen Motivieren und Mut machen. Kurzerhand entschied ich mich mit Maren, Lindsey, Pierre und Chris zu laufen. Die wohl beste Entscheidung überhaupt, denn während sich bei den meisten Läufen das Teilnehmerfeld bereits zu Beginn auseinanderzieht, sind wir bis Kilometer 27 gemeinsam gelaufen. 

 Wie emotional jeder einzelne Kilometer war, wieviele Kinderhände ich abgeklatscht habe und warum ich 17 Euro für fünf Kugeln Eis nach dem Marathon bezahlt habe  – all das könnt ihr im nächsten Post lesen.  

PHOTO Credits 

Special thanks to @maxmenning, @jakobnawka @heuserkampf und @fln.krs für die grandiosen Bilder.